Verena Baumann
nach wie vor

06.12.2025 – 31.01.2026

Einladung (PDF)

Der Aufstieg und die Blüte der konzeptuellen Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben dazu geführt, dass für Schöpfer, deren Instinkte eher dem ursprünglichen und praktischsten Zweck der Kunst entsprechen, nur noch wenig Raum geblieben ist. Seit den Anfängen der menschlichen Kultur haben Künstler:innen der Gesellschaft als Heiler:innen und Träumer:innen gedient. Die Notwendigkeit heilender Methoden innerhalb der menschlichen Gesellschaft haben die Künstler:innen im Laufe der Menschheitsgeschichte dazu inspiriert, Formen der Magie jenseits der gewöhnlichen Grenzen von Sprache und Intellekt zu finden, um direkt und geschickt die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse anzusprechen: die Offenbarung des Unbewussten und die tief empfundenen Sehnsüchte des menschlichen Herzens und Geistes. Es ist die Entwicklung und der Ausdruck dieser magischen Aktivitäten, die den Künstler:innen eine notwendige und höchst gültige Position innerhalb der Gesellschaft verschafft haben.

Die visuelle Welt von Verena Baumann steht fest in dieser Tradition. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen zarten, vertrauensvollen Ausdruck des Unbewussten aus, und dank ihres Könnens gelingt es ihr, diese Visionen mit einer zarten und verletzlichen weiblichen Anmut wiederzugeben. All dies geschieht im Rahmen eines fantasievollen, formalen Stils, der zu dem von ihr dargestellten Thema passt. Ihr Bildverständnis manifestiert sich nie als dargestelltes Objekt, sondern ruht stets in einer erhabenen Balance, in der die Materialien dieser Darstellung als reine und nährende Form erblühen, während gleichzeitig ihre Verwendung von Bildern uns direkt als poetischer Ausdruck berührt. Es ist diese Vereinigung von Methode und Bedeutung, die ihre Kunst am meisten auszeichnet, denn sie kann die Betrachter:innen aus einem fragmentierten Gefühlszustand in einen Zustand der Ruhe und Entschlossenheit versetzen. Die Tatsache, dass Baumann dies in drei verschiedenen Medien erreicht, ist bewundernswert. Ihre Zeichnungen mit ihrem verspielten und subtilen Sinn für Linienführung sind eine wahre Augenweide. Die Aufrichtigkeit des Bildes in Verbindung mit diesen Linien ist oft herzzerreissend in ihrer Tiefe und Zärtlichkeit des Ausdrucks. Ihre Gemälde bringen einen hoch entwickelten Sinn für Farbe als reine Schönheit zum Ausdruck. Eine tiefgründige und ungewöhnliche Farbpalette drückt gleichzeitig die rohen psychologischen Qualitäten der von ihr geschaffenen Bildwelt und die gekonnten Notwendigkeiten dieser visuellen Darstellung aus. Oft haben diese das unbeschreibliche Gefühl von Dingen, aus denen Träume gemacht sind. Der Charme dieser Darstellungen, ob Tiere, Menschen oder Landschaften, weckt ein Gefühl des Staunens und verborgene Erinnerungen.

Und schliesslich gibt es noch ihre Fotografie, wenn man diese atemberaubend ungewöhnlichen Kreationen überhaupt als Fotografie bezeichnen kann. Obwohl eine Kamera zum Einsatz kommt und die Ergebnisse in traditioneller fotografischer Form präsentiert werden, ähnelt das, was wir tatsächlich sehen, eher der Malerei als der Fotografie an sich. Baumann ist es mit einfachsten Mitteln gelungen, in unserer natürlichen Welt kleine Theater voller Geheimnisse zu entdecken. Ihr Gespür für Farben ist äusserst ausgeprägt, und die Einheitlichkeit der Komposition ist untrennbar mit der Welt verbunden, die wir in diesen Fotos sehen.

Ihre Arbeiten in diesen drei Medien sind von grosser Schönheit und Bescheidenheit. Sie sind von einer Authentizität durchdrungen, die an sich schon eine heilende Wirkung hat.

Nathaniel Dorsky

Biografie

  • Geboren 1964 in Solothurn, lebt und arbeitet in Hessigkofen
  • Arbeitsbereiche: Zeichnung, Malerei, Monotypie und Fotografie
  • Fachklasse Grafikdesign an der Hochschule für Gestaltung in Bern
  • Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen

Auszeichnungen

  • 2019 «Fachpreis Malerei», Kunst- und Kulturpreise des Kantons Solothurn
  • 2002 «Atelierstipendium Paris» des Kantons Solothurn
  • 1993 «Arbeitsjahr», Kanton Solothurn

Ausstellungen (Auswahl)

  • Seit 1992 regelmässige Teilnahme an den Jahresausstellungen der Kunstvereine Olten und Solothurn, Kunstmuseum Olten und Kunstmuseum Solothurn
  • 2023 «Touché», Installation, Kunsthaus 1, Bürgerspital, Solothurn
  • 2023 «Fundus», Gruppenausstellung, Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2022 «rhizo(h)m», Gruppenausstellung, Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Biberist
  • 2021 «hommage an dani jehle», Gruppenausstellung, Galerie Löiegruebe, Solothurn
  • 2021 «die verschiebung», Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2021 «Winter Aid Campaign», Gruppenausstellung, Haus der Kunst St. Josef, Solothurn
  • 2021 «Come, Dear May, and Make…», Gruppenausstellung, Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2020 «Revivals», Gruppenausstellung, Kunstforum Solothurn & Galerie Abbühl
  • 2020 «Zart», Stadtillustratorin, Gruppenausstellung, Kunstverein Solothurn
  • 2020 «Genius Loci Salodorensis», Gruppenausstellung, Kunstmuseum Solothurn
  • 2019 «Ouverture», Gruppenausstellung, Enroute Susanna Rüegg, Aeschbachquartier Aarau
  • 2019 «Pas de deux, le bon bonbon», Galerie Rössli, Balsthal, mit Pavel Schmidt
  • 2018 «Magische Verbindung mit dem Hier und Jetzt», Gruppenausstellung, 21. Triennale Grenchen
  • 2018 «Neugier statt Gewissheit», Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2017 «Paris Bird, Photography», Gruppenausstellung, Migros-Kunstsammlung Aare
  • 2017 «White», Gruppenausstellung, Kunstforum Solothurn & Galerie Abbühl
  • 2017 «Kunstzimmer», Gruppenausstellung, Hotel Kurhaus Kreuz, Mariastein
  • 2017 «Raum 5», Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2017 «Zeichnungen», Werkgalerie Germann/Oswald, Boltigen
  • 2015 «Du coin de l’œil», Galerie Abbühl, Solothurn
  • 2014 «The Language of the Birds, Not Spoken, Only Heard», Selz Art Contemporain, Perrefitte
  • 2013 «Figural», Galerie Rössli, Balsthal
  • 2010 «Freispiel», Gruppenausstellung, Kunstverein Solothurn, Kunstmuseum Solothurn
  • 2008 «Malerei», Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Biberist, mit Anna Weber
  • 2007 «Sickerndes Licht», Galerie Quellgasse, Biel
  • 2005 «Malerei», Galerie Quellgasse, Biel
  • 2003 «White», Galerie Rössli, Balsthal
  • 1998 «Pictures», Galerie Rössli, Balsthal
  • 1997 Galerie Ursula Wiedenkeller, Zürich
  • 1997 «Jahresportrait 1997», Gruppenausstellung, Kunstmuseum Kunstverein Solothurn
  • 1995 «Raum II», Galerie Ursula Wiedenkeller, Zürich
  • 1994 «Szenenwechsel», Galerie Zeta, Olten
  • 1993 «Werkjahr», Gruppenausstellung, Kunsthaus Grenchen