Lena Takamori findet die Inspiration für ihre Werke im Alltag. In der Skulptur «Shell» beugt sich eine Frau, um ihren Schuh zu binden. Dabei scheint das Gewicht des Rucksacks als «ganzes Gewicht der Welt» auf ihrem Rücken zu lasten. Betrachtende können die Skulptur als Metapher für die Lasten interpretieren, die Frauen zu tragen haben.
Bei den Ganzfiguren «Fishmonger», «Wader» und «Bath» konzentriert sich die Künstlerin auf die Körperhaltung und das Setzen von Zeichen. In diesen Werken stehen die subtile Zeichnung und die Pinselspuren im Vordergrund und tragen zur Wirkung der Werke bei. Überaus präsent stehen sie im raumgreifenden Dialog mit der Welt.
Durch das Nutzen eines breiten Pinsels bei der Zeichnung von «Woman With Hairnet», «Woman With Bun» und «Waking» nehmen wir beim Betrachten eine Unschärfe wahr, die unser Auge zu schärfen/ergänzen versucht. Diese Werke beabsichtigen, den emotionalen Ausdruck einer Landschaft mit demjenigen des menschlichen Gesichts zu vereinen. Sie entziehen sich trotz ihrer Präsenz der völligen Vereinnahmung und behalten ihr Geheimnis.
Bei «Cloud» entwickelte sich das Werk beim Enstehen und nicht durch eine vorgefasste Idee. Anfänglich interessierten Lena Takamori die Fingerabdrücke und das Gefühl der Bewegung. Schliesslich wurden die Fingerabdrücke zu Regen, da sie sich an einen Sommertag erinnerte, an dem sie Regenwolken über ein Gewässer ziehen sah.
Die Landschaften «Mouth», «Willow» und «Green Landscape» wollen den menschlichen Blick einfangen und laden die Betrachtenden ein, in Gedanken in die Räume einzutreten, sie zu begehen und so eine – wenn auch imaginäre – Erfahrung des schützenden Unterstandes zu erleben.
Lena Takamori geht ihren eigenen künstlerischen Weg, ungeachtet der aktuellen Trends im Kunstzirkus. Ihre Werke überzeugen durch ihre Eigenständigkeit und die hohe künstlerische Qualität sowohl im Bildhauerischen als auch im Malerischen. Auch deshalb vertrete ich ihr Werk in meiner Galerie.
Hanspeter Dähler
Statement
- Einen Mund aufreissen, eine Faust aufreissen. Innen? Ein Stück Faden, ein Stückchen Farbe. Was ist schon dabei? Warum all die Tränen? Diese Dinge sind nicht so wertvoll oder interessant.
- Etwas, das in der Dunkelheit liegt und mit Gewalt ans Licht gebracht wird – das reicht, um ein Baby zum Weinen zu bringen.
- Beim ersten Mal war ich überrascht –Ich hatte erwartet, dass der Mund des Babys weich und nachgiebig sein würde, aber er war wie eine Faust verschlossen.
- Sie trägt einen Schatten in ihrem Mund.
- Eine Auster würde sich von selbst öffnen, aber nicht, wenn sie in einem Geschirrtuch gehalten wird. Ich hörte, sie sind auf den Mond kalibriert, und öffnen sich nur in der wässrigen Dunkelheit der Nacht.
- Ein Schatten öffnet sich in einen anderen, das macht Sinn. Eine leichte Osmose, ein Entfalten in der Dunkelheit. Man berührt seine eigenen Augen, um zu sehen, ob sie offen oder geschlossen sind.
Lena Takamori
Biografie
- 1990, geboren in Seattle, USA, lebt und arbeitet in Bristol
- 2011, Kyoto Seika University, International Exchange
- 2012, Arts Letter and Numbers, Art & Architecture Workshop, Albany, NY
BFA, The Cooper Union for the Advancement of Science and Art, NewYork
Auszeichnungen
- 2008, Woman in Film Scholarship
The Cooper Union For Advancement of Science and Art Full Tuition Scholarship
Stipendium
- 2011, Helen Dubroff Dorfman Travel Scholarship for study in Germany
- 2012, The Elliot Lash Memorial Prize for Excellence in Sculpture
- 2015, Robert W. Simpson Fellowship
Öffentliche Sammlungen
- Musée Ariana, Geneva