Daphne Corregan

*1954, USA

Dialog zwischen den Dingen

«Meine Arbeit trägt Spuren meiner amerikanischen Herkunft, meines Lebens in Frankreich, meiner zahlreichen Reisen durch das Land, meines Studiums der Architektur und klassischen und volkstümlichen Kunst, dem Aufspüren von Motiven, Farben, Düften und Gedanken, die sich von unseren unterscheiden. Die Gegenwart eines Objektes, seine Beziehung zu unserem Alltag oder zu einer wiederentdeckten Überlieferung und der Dialog zwischen den Dingen ist das, was mich besonders interessiert.»

Daphne Corregan Daphne Corregan wurde 1954 in Pittsburg, USA, geboren. Sie interessierte sich schon sehr früh für die Kunst und entschied im Alter von 15 Jahren, Künstlerin zu werden. 1971 zog die Familie von Amerika in den Süden von Frankreich, wo Daphne Corregan seitdem lebt. Sie studierte an den Ecoles des Beaux Arts in Toulon, Marseille und Aix-en-Provence, wo sie auch im Atelier von Jean Biagini arbeitete und wo anlässlich eines Besuches von Jim Romberg und Paul Soldner eine erste Annäherung an das Raku stattfand. Nach Beendigung ihrer Ausbildung wurde das Raku zu ihrer bevorzugten und für sie typischen Brenntechnik. Dank eines Aufenhaltes in Fuping, China, im Jahr 2005 und aufgrund des eingeschränkt zur Verfügung stehenden Materialangebotes erweiterte sich Corregans Palette um den Gebrauch von Steinzeugton, den Einsatz der Farbe Weiss und dem Pfingstrosenmuster als Dekorationselement für ihre Werke. Das keramische Werk von Daphne Corregan, das seinen besonderen Charakter dank dem bemerkenswerten Gespür der Künstlerin für das Gleichgewicht von Harmonie und Spannung erhält, ist mit keinem anderen vergleichbar. Ohne ein starres thematisches Konzept zu haben, bedient sich Daphne Corregan mit der selbstverständlichen Leichtigkeit der hochbegabten Künstlerin ihrer Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Form, Dekor, Farbe, Glasur und Brennverfahren und der Auseinandersetzung mit traditioneller und zeitgenössischer Kunst und den Eindrücken, die sie auf ihren zahlreichen Reisen durch verschiedene Kontinente gesammelt hat. Daphne Corregan ist eine herausragende Künstlerpersönlichkeit mit der Fähigkeit, neue visuelle Formen zwischen Realität und Utopie zu erschaffen. Ihre Werke sind Gefässe im weitesten Sinn und frei von der Bindung an den ursprünglichen funktionalen Zweck, sind Körper und organhafte Hüllen, sind Figur und Architektur. Sie sind Behältnisse und Behausungen für Ideen, Gedanken, Erfahrungen, Gesehenes und Erlebtes, die zum Dialog ansetzen, die untereinander kommunizieren und die Imagination des Betrachters befragen. Daphne Corregan ist sowohl Malerin und Zeichnerin als auch Bildhauerin. Ihre Formen entspringen auf dem Papier, und es sind diese Zeichnungen, die die Technik und das Vorgehen zur Herstellung ihrer Werke bestimmen. Die Künstlerin baut und montiert ihre Arbeiten meist aus Tonplatten oder setzt die Wulsttechnik gezielt ein, wenn die Arbeitsspuren ihrer visuellen Vorstellung entsprechen. Mit Hilfe von Messern und Nägeln zeichnet sie in die noch weiche Oberfläche. Diese Einkerbungen erhalten nach dem auf den Brand folgenden Räuchern ein tiefes Schwarz und betonen die Zeichnung. Der Ton wird zur glatten oder rauen Haut mit Kratzern, Flecken, Verletzungen, linearen Schraffierungen, zeichenhaften oder floralen Motiven und Lochmustern. Daphne Corregan benutzt die Oberfläche des Tons als Zeichenpapier und dokumentiert mit archaischen Zeichen und Symbolen und tagebuchartigen Bildnotizen zum Weltgeschehen und persönlich Erlebtem und Erinnertem den Lauf der Zeit dar und hält in Metaphern Prägungen menschlicher Existenz fest. Daphne Corregan verbringt viel Zeit mit der Bemalung jeder einzelnen Arbeit, bei der sie die Abgrenzungen ihrer Zeichnungen berücksichtigt und flächig Farben setzt und teilweise mit deutlichen Pinselstrichen überlagert. Dabei arbeitet sie oft der Collage entsprechend und setzt mit Engoben oder Glasur farbige Flächen in Nachbarschaft von Mustern oder bildnerisch-erzählerischen Elementen. Grosse Bereiche bleiben unbedeckt und erhalten beim Räuchern eine silbrig metallisch glänzende bis tiefschwarze Färbung. Farbflächen, Zeichnung und Muster verschmelzen mit der Form und werden zu einem Ganzen. Corregan geht es in ihren Werken hauptsächlich um die Darstellung eines Objektes und weniger um das Objekt selber. Indem sie simple Gegenstände spielerisch aus dem alltäglichen Kontext befreit und deren Form verzerrt, überhöht und gefässartige mit tier- oder menschenähnlichen Formen verbindet, gibt sie ihnen auch Bedeutung als bildhauerisches Werk. Dabei ist eines ihrer Ziele, mittels Gegenüberstellungen einen Dialog und eine Verbindung herzustellen, sowohl innerhalb des Objektes, als auch zur Betrachterin, zum Betrachter. Nicht von ungefähr kommt der Ausdruck «communicating» und auch «conversation» regelmässig in den Titeln ihrer Arbeiten vor. Bei ihren früheren Werken, den abgeflachten «Pitchers» und «Vases» sind die beiden Seiten in der grafischen und inhaltlichen Darstellung unterschiedlich und sprechen miteinander über verschiedene Seiten und Möglichkeiten des dargestellten Themas oder des Lebens ganz allgemein. Wiederholt finden wir auf diesen Gefässen grafisch dargestellte Gefässe, deren gemeinsame Verbindung zum Beispiel die ähnliche Form, der Ausguss oder der Henkel ist, die plastisch und bildnerisch verschmelzen und deren äussere Form an unterschiedlichste Lebewesen erinnern und das Gefäss als Körper oder den Körper als Gefäss thematisieren. Bei ihren aktuellen Werken arbeitet Corregan häufig mit Formen des menschlichen Körpers, was sich auch in Titeln wie «crânes», «two bellies» oder «tête à tête» wiederspiegelt, die sie in der Verdoppelung zueinander und gegenüber setzt und verbindet und miteinander kommunizieren lässt. Im Gegensatz zu den früheren, oft humorvollen und extrovertierten Arbeiten, die mit einem scheinbaren Augenzwinkern den Kontakt zum Publikum suchten, sind die aktuellen Werke stiller und zurückhaltender und scheinen in erster Linie unter sich im Zwiegespräch zu sein, um so unsere Vorstellungskraft und unser Denken in Gang zu setzen und unseren Dialog mit dem Kunstwerk aufzunehmen.

Hanspeter Dähler Februar 2011

Werke in öffentlichen Sammlungen

  • Musée des Arts Décoratifs, Paris / Centre Georges Pompidou, Paris
  • F.R.A.C. Languedoc Roussillon
  • Landesmuseum Stuttgart
  • Musée d’art contemporain de Dunkerque
  • Musée de Soissons
  • Musée Bernard Palissy Saint Avit
  • F.N.A.C., Paris
  • Fonds Cantonal des Arts Décoratifs et Visuels, Genève
  • Musée National de Céramiques de Sèvres
  • Musée de la Céramique de Marseille
  • Museum fur moderne Keramik, Lotte Reimers, Deidesheim
  • F.R.A.C. Basse Normandie
  • Maison de la Terre, Dieulefit
  • World Ceramic Exhibition Foundation Icheon, Südkorea
  • La Piscine, Roubaix
  • Olympic Ceramic Sculpture Museum, Amaroussion, Griechenland
  • French Ceramic Art Museum, Fuping, China
  • Musée Ariana, Genève