Doris Kaisers skulpturale Plastiken sind konkrete Kunst und thematisieren gleichzeitig auch Wahrnehmungen und Empfindungen in unterschiedlichen Aspekten. Ihre Arbeiten sind zwar klar kalkuliert, doch keineswegs kühl und unsinnlich. Die besondere Charakteristik verdanken diese Werke vor allen Dingen der kontrastierenden Verwendung von Gips und Ton, die in ihrem Gegensatz die Sinne aufs höchste beanspruchen. Dabei zielt sie in ihrer künstlerischen Intention deutlich über eine rein formale, den reinen Wahrnehmungsprozess intendierende Sichtweise hinaus und knüpft mittelbar an das Erfahrungspotential des Betrachters an, der mit Materialien, Oberflächen und Körpern auch direkte eigene Empfindungen verbindet. Die Analogien in ihrer Arbeit mit menschlichen Haltungen und Empfindungen, die allein durch die Begrifflichkeiten von Hülle, Füllung, Schutz, Aussenhaut, Verletzlichkeit, Taktilität und Veränderung anklingen, sind bewusst gesetzt und in Gegenposition gebracht zu einer scheinbar kühl-mathematischen Konstruktion. Der Ton wird dabei zum «Stellvertreter» des Menschen, der sich in gegebenen – bisweilen starren – aber stets weniger flexiblen Strukturen eingebettet findet und sich dort bewegt, befreit, verletzt und auch sich wieder behütet und beschützt fühlen kann.
Dr. Gabriele Uelsberg, Rheinisches Landesmuseum Bonn
Biografie
- 1958 geboren in Trier
- 1979–1981 Ecole des Arts et Metiers, Luxemburg
- 1981–1988 FH Niederrhein, Krefeld FB Design
- seit 1988 als Bildhauerin tätig
- 2001–2015 temporär Lehraufträge an der Hochschule Niederrhein FB Design
- 2011 Mitglied im Westdeutschen Künstlerbund
- 2009/12/15/18 Jurorin beim Nachwuchspreis «Frechener Keramik Preis», der Kulturstiftung Frechen
- seit 1996 Kunst am Bau-Projekte
Auszeichnungen
- 1986 Elisabeth-Schneider-Preis «Die Skulptur aus Ton» 2. Preis
- 1987 Zeitgenössische Keramik Offenburg, 1. Preis
- 1988 Elisabeth-Schneider-Preis, 1. Preis
- 1993 Arbeitsstipendium des Landes Schleswig-Holstein
- 1994 Arbeitsstipendium des Europäischen Keramischen Werkzentrum `s-Hertogenbosch, Niederlande
- 1999 Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2006 Internationale Biennale de la Sculpture en Céramique, Mamer, Luxemburg, 1. Preis
Werke in öffentlichen Sammlungen
- Aachen, Junge Kunst aus NRW, ehemalige Reichsabtei
- Coburg, Kunstsammlung der Veste Coburg
- Düsseldorf, Hetjens Museum
- Frankfurt, Museum Angewandte Kunst
- Kaiserslautern, Museum Pfalzgalerie
- Karlsruhe, Badisches Landesmuseum
- Karlsruhe, Regierungspräsidium Nordbaden
- Mainz, Kunstsammlung des Landes Rheinland-Pfalz
- Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
- `s-Hertogenbosch, Museum het Kruithuis